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Leserbrief vom 02.02.2005
Die Meldung über überbordende Komplikationen bei ambulanten Schmerztherapien ist unsachlich und korrekturbedürftig:
Hier werden zunächst verschiedene Therapieverfahren vermischt: zum einen gibt es die CT gesteuerte periradikuläre Therapie, bei der unter CT-Sicht eine Injektionsnadel nahe der gereizten Nervenwurzel geführt wird um diese mit Lokalanästhetika und Kortikoiden zu therapieren. Die andere Methode ist die Periduralanasthesie, bei der schmerzgeplagten Patienten unter CT Sicht ein Katheter in den Periduralraum gelegt wird, um darüber Schmerzmittel zu infundieren. Beides sind seit Jahren etablierte Methoden und in der ambulanten Versorgung von Schmerzpatienten unverzichtbar.
Die PRT (periradikuläre Therapie) wird bei Bandscheibenvorfällen oder degenerativen Bandscheibenveränderungen eingesetzt und erspart den Patienten häufig die nicht unkomplizierte Operation. Ambulant wird diese Methode CT-gestützt von Neurochirurgen, Neurologen, Orthopäden und Radiologen angewandt. Ich selbst habe die Methode am eigenen Leibe erfahren und war nach der zweiten Spritze beschwerdefrei. Als Radiologe setze ich das Verfahren seit Jahren mit großem Erfolg ein und konnte vielen Patienten helfen. Natürlich gibt es auch hier Therapieaussetzer, bei den vielen Tausend Anwendungen hatte ich bislang jedoch nicht eine Infektion!
Es stimmt nicht, dass Patienten abkassiert werden!! Die PRT ist eine ganz normale Kassenleistung und wird nach EBM mit den Kassen abgerechnet. Wer dafür privat bezahlt, tut es aus eigenem Antrieb.
Die Periduralanästhesie ist naturgemäß komplikationsbehafteter, da der Katheter für einige Zeit im Körper verbleibt und damit einen Weg für aufsteigende Infektionen bildet. Im ambulanten Bereich sind statistisch diese Infektionen jedoch wesentlich geringer ausgeprägt als im stationären, da Hospitalkeime in der Regel deutlich aggressiver sind.
Daß jetzt ein professoraler Aufschrei durch das Land geht liegt offensichtlich daran, dass den Kollegen die lukrativen selbstzahlenden Patienten ausbleiben, die sich lieber ambulant einer Injektionstherapie unterziehen als viel Geld für eine nicht gerade einfache Operation hinzublättern (wo sitzen also die geldhungrigen Mediziner?). Als Radiologe habe ich sicherlich eine Negativauswahl, es vergeht jedoch kaum ein Tag, an dem ich nicht Patienten kernspintomografisch untersuche, die durch vorausgegangene Bandscheibenoperationen in einen chronischen Schmerzzustand versetzt wurden, deren Operateure lehnen in der Regel jede Verantwortung ab. Was man dort manchmal sieht ist katastrophal: massive Narben mit Nervenkompressionen, schlimmer als der ehemalige Bandscheibenvorfall, Infektionen, Verklebungen der Arachnoidea etc.pp.
Sieht man sich die Ausgangsbefunde an, so zweifelt man mitunter am eigenen Wissen: da werden Minimalvorfälle oder Protrusionen (degenerative Bandscheibenvor-wölbungen ohne Zerstörung des Faserringes) operiert und dem Patienten ein schmerzfreies Leben danach suggeriert. Daß der Kassenpatient diese professorale Großleistung aus der eigenen Tasche bezahlt, ist für diese Herren natürlich normal (wo sitzen also die geldhungrigen Mediziner..?).
Vielen dieser Patienten konnte ich mit einer PRT helfen, wobei der Verlauf nach der Operation ungleich langwieriger ist.
Dr. med. Wolfhard O. Spiewok Facharzt für Radiologische Diagnostik Radiologie am Gesundheitszentrum Harburg Am Wall 1, 21073 Hamburg
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