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Methoden der Szintigrafie

 Gebräuchliche Nuklearmedizinische Untersuchungen

Knochenszintigrafie

Die Knochen- oder Skelettszintigrafie ist die etablierteste zugleich aber auch zeitaufwendigste Methode. Sie kann als statische, dynamische oder Sequenzszintigrafie durchgeführt werden (s. dort). Ziel ist immer die Suche nach krankhaften Stoffwechselaktivitäten.

Prinzip:
Das osteotrope Pharmakon reichert in Abhängigkeit von der Knochenstoffwechsel-Aktivität im Skelett an.

Tracer:
Technetium 99m HDP (oder auch MDP)

 

Fragestellungen:

  • Primäre Knochentumoren
  • Sekundäre Knochentumoren (z.B. Metastasen bei Brust- oder Prostatakrebs)
  • Malignes Lymphom
  • Entzündliche Skelett- oder Gelenkerkrankungen
  • Osteonekrosen (z.B. M. Perthes)
  • Zustände nach Operation (z.B. Frage nach Lockerung einer Hüftgelenksendoprothese)
  • Unfallfolgen

 

 

Schilddrüsenszintigrafie

Die Schilddrüsenszintigrafie ist eine nach wie vor etablierte und häufig eingesetzte Methode zur Untersuchung der Schilddrüsenfunktion. Zusammen mit den Laborwerten un der sonografischen Strukturbeurteilung gibt sie ein umfassendes Bild über Funktion und Struktur des für den menschlichen Stoffwechsel wichtigen Organs.

Prinzip:
Die Untersuchung erfolgt in der Regel quantitativ unter Bestimmung der Gesamtaktivitätsaufnahme Schilddrüse im Verhältnis zum Gesamtkörper.

Tracer:
Technetium 99m Pertechnetrat (manche Zentren bevorzugen heute noch Jod 123 wegen der höheren Gesamtenergie, Jod 123 hat aber eine längere Halbwertzeit und damit eine höhere Strahlenbelastung für den Patienten)

Fragestellungen:

  • Lage und Größe der Schilddrüse
  • Ektopes (verstreutes) Schilddrüsengewebe (z.B. im Brustraum)
  • Funktionelle Aktivität struktureller Veränderungen (Knoten)
  • Quantitative Funktionsbeurteilung (Über- oder Unterfunktion)

 

 

 

 

Lungenszintigrafie

Die Funktionsbeurteilung der Lungen unterteilt sich in die Perfusions- (Durchblutung) und Ventilations- (Belüftung) Szintigrafie. Beide Methoden werden heute durch die hochauflösende Mehrzeilen-CT weitgehend ersetzt, spielen weiterhin aber eine Rolle in der Akutdiagnostik von Lungenembolien oder beim Screening unklarer Brustschmerzen.

Prinzip:
Ventilation: Die Radioaktivität wird durch die Atemluft zugeführt und die Verteilung in der Lunge beim Einatmen gemssen.

Perfusion: Durch das Prinzip der Kapillarblockade sind regional vermindert durchblutete oder von der Durchblutung ausgeschlossene Areale erkennbar. Denaturierte Eiweißpartikel verteilen sich nach der Injektion in die Armvene entsprechend der regionalen Blutverteilung

Tracer:
Ventilation: Xenon 127 oder 133, gebräuchlicher Technetium 99m markierte Aerosole
Ventilation: Tc markierte Albuminpartikel (mikroaggregiertes Albumin, MAA)

Fragestellungen:

  • Lungenembolie
  • Atemwegsobstruktionen
  • Emphysemdiagnostik

 

 

 

Nierenszintigrafie

Die gebräuchlichste Nierenuntersuchung ist die Nierenperfusions- und Nierenfunktionsszintigrafie mit Bestimmung der tubulären Extraktionsrate. Häufig wird die Untersuchung mit einer pharmakologischen Belastung gekoppelt (Diuretika, Captopril), um z.B. Nierenfunktionsstörungen bei noch normalen Blutwerten oder die Rolle der Nieren bei der arteriellen Hochdruckerkrankung abzuklären.

Prinzip:
Es werden radioaktiv markierte harnpflichtige Substanzen genutzt.

Tracer:
Technetium 99m markierte Hippursäure, MAG3

Fragestellungen:

  • Arterielle Hypertonie
  • Harnstauung
  • Funktion einer Transplantatniere
  • Nierenfunktion allgemein
  • Fehlende strukturelle Darstellung der Niere im Ultraschall oder CT
  • Nierentumoren
  • Schrumpfniere
  • Lebendnierenspende
  • Nierenvergiftungen

 

 

 

 

 

Herzszintigrafie, Myokardszintigrafie

Die gebräuchlichste Methode ist die Funktions- bzw. Perfusionsszintigrafie des Herzens zurm Nachweis von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels z.B. im Rahmen der koronaren Herzkrankheit. Neben der Untersuchung in Ruhe spielt dabei insbesondere die Untersuchung unter Belastung eine wichtige Rolle, um so Minderdurchblutungen des Herzens aufzudecken, die erst bei Streß von Bedeutung werden und somit Vorläufer eines Herzinfarktes sind. Die Methode ist sehr sensitiv, da sie funktionelle Störungen häufig schon erfaßt, bevor der Patient überhaupt Beschwerden bekommt.

Wichtiger Bestandteil ist die Anwendung der SPECT-Technik, um die genaue Lokalisation des minderdurchbluteten Gebietes zu bestimmen

Prinzip:
Die Anreicherung eines flussabhängigen Radiopharmakons im Herzmuskel ist abhängig von der Durchblutung und Muskelmasse.

Ruheuntersuchung: Naturgemäß unter Ruhebedingungen, mitunter mit medikamentöser antianginöser (Nitrate, Betarezeptorenblocker) Behandlung.


Belastung: (Fahrrad-) Ergometrie bis zur maximalen oder submaximalen Belastung oder medikamentös mit Dubutamin oder Adenosin.

Tracer:
Thallium 201

Fragestellungen:

Koronare Herzkrankheit, Angina pectoris

  • Nachweis vor Herzkatheter
  • Erganzung zum Herzkatheter
  • Prognose
  • Verlaufskontrolle

 

Weitere nuklearmedizinische Verfahren sind heute durch andere bildgebende Verfahren weitgehend ersetzt worden oder sind spezialisierten nuklearmedizinischen Zentren vorbehalten:

Verfahren

Anwendungsgebiete

Blutungsquellensuche

selten, da weitgehend endoskopisch sichtbar

Entzündungsszintigrafie

speziellen Zentren vorbehalten, da sehr teuer

Gehirn-Szintigrafie

durch die MRT weitgehend verdrängt

Knochenmarksszintigrafie

speziellen Zentren vorbehalten, da sehr teuer

Leber-Szintigrafie

durch MRT und CT weitgehend abgelöst, bei speziellen Fragestellungen (Adenom versus FNH) mitunter noch von Bedeutung

Lymph-Szintigrafie

speziellen Zentren vorbehalten, da sehr aufwendig und teuer

Meckel Scan

Suche nach Meckel’schem Divertikel als Blutungsquelle im Magendarmtrakt, selten angewendet

Milz-Szintigrafie

durch MRT und CT weitgehend verdrängt

Nebenschilddrüsenszintigrafie

speziellen Zentren vorbehalten, da aufwendig und teuer

Schilling-Test

Bei perniziöser Anämie (Vitamin B12-Mangel), selten angewendetes Verfahren

Speicheldrüsen-Szintigrafie

durch Ultraschall und CT weitgehend abgelöst