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Mit der Kernspintomografie läßt sich praktisch jeder Abschnitt des menschlichen Körpers untersuchen.
Zentralnervensystem:
Die MRT hat entscheidende Vorteile gegenüber anderen Schnittbildverfahren: exzellenter Gewebskontrast, multiplanare Bilddarstellungen, schnelle Datenakquisition und vielfältig einsetzbarer Kontrastmittel. Die MRT ist Untersuchung der Wahl bei 1) angeborenen Fehlbildungen des Gehirns, 2) Störungen der Gewebsreifung, 3) Tumoren des Zentralnervensystems, der Hirnnerven, Hypophyse, Meningen und Schädelbasis, 4) Unfallfolgen, 5) Blutungen, 6) Gefäßprozesse, Ischämie und Infarkt, 7) infektiösen und nichtinfektiösen Erkrankungen, 8) Stoffwechselstörungen 9) dysmyelinisierenden und demyelinisierenden Erkrankungen (MS etc.).
Das MR- Signal wird außerdem zu Gefäßdarstellungen ähnlich einer konventionellen Angiografie (MR- Angiografie, MRA) genutzt.
Schädelbasis:
Die membranösen und flüssigkeitsgefüllten Hohlräume der Schädelbasis sind mittels der MRT exzellent abgrenzbar. Hauptanwendungsgebiete sind: 1) Innenohranomalien und ihre Folgen 2) Otosklerose 3) Chronische oder granulomatöse Entzündungen (Cholesteatom etc.) 4) Tumoren des Mittel- und Innenohres, Glomustumoren etc.
Normales Mittel- und Innenohr imponieren aufgrund ihrer Zusammensetzung aus Luft und kompaktem Knochen im MRT als strukturloses Signal. In der Diagnostik knöcherner Veränderunge n ist daher die CT Methode der Wahl.
3D-Rekonstruktion des Innenohres
Hals
Für die Diagnostik von Mundboden, der Halsweichteile und der Supraklavikaluarregion ist die MRT aufgrund ihres hervorragenden Gewebekontrastes Methode der Wahl. Sie eignet sich insbesondere zur Darstellung von:
1) Lymphknoten, 2) Tumoren des Mundbodens, der Zunge, des Kehlkopfes oder der Speiseröhre, 3) Fehlbildungen oder Zysten, 4) Entzündungen oder Abszesse
Die Untersuchung der hirnversorgenden Halsarterien ist inzwischen etablierter Bestandteil der MRT-Diagnostik und hat die diagnostische Katheterangiografie verdrängt.
Brustraum
Lungen: Zur Ergänzung der Röntgendiagnostik der Lunge ist die Computertomografie, vor allem das hochauflösende CT, die Methode der Wahl. Die MRT hat für die pulmonale Diagnostik nur begrenzte Indikationen. Hauptindikationen der MRT sind vaskuläre (Gefäß-) Veränderungen und die Differenzierung zwischen nichtvaskularisierten und vaskularisierten Herden in der Lunge, speziell bei Patienten, bei denen Kontraindikationen zur intravenösen Gabe jodhaltiger Kontrastmittel bestehen. Gelegentlich kann die MRT zum Staging des Bronchialkarzinoms und in der Therapieüberwachung bzw. Nachsorge hilfreich sein.
Pleura (Rippenfell), Zwerchfell und Brustwand: Wenngleich die Lunge selbst Domäne der CT ist, lassen sich mit der MRT wertvolle ergänzende Informationen gewinnen. Dies betrifft: 1) Differenzierung und Nachweis von Flüssigkeit im Pleuraspalt; 2) Ausbreitungsdiagnostik pleuraler Entzündungen oder Tumoren; 3) Untersuchung destruierender und die Lungengrenzen überschreitender Lungentumoren (Pancoast-Tumor etc.) 4) Affektionen der Rippen, des Brustbeins oder der Muskulatur; 5) Zwerchfellhernien; 6) Affektionen der Nervenplexus.
Mamma (weibliche Brust)
Die MRT ergänzt die Mammografie bei mammografisch dichten Brüsten, Narben und Silikonimplantaten.
Die Differenzierung zwischen gut- und bösartigen Mammtumoren ist kernspintomografisch immer als Ergänzung zur konventionellen Mammografie gegeben. Eine Primärdiagnostik (Screening) ist kernspinmammografisch mehr und mehr im Kommen, insbesondere durch hochauflösende Spulen und spezielle Meßprogramme. Trotzdem ist die MRT der konventionellen Mammografie in mancher Hinsicht noch unterlegen, wie z.B. im Nachweis von tumorspezifischen Mikroverkalkungen.
Im Gegensatz zur Mammografie wirken sich Brustimplantate nicht störend auf die MRT-Diagnostik aus. Im Gegenteil: die MRT hat sich inzwischen als Methode der Wahl in der Diagnostik der Implantat-Beschaffenheit etabliert.
Herz
Die rasante Entwicklung der kardiovaskulären Magnetresonanztomografie hat die Herzdiagnostik revo lutioniert. In absehbarer Zeit wird die MRT die Katheterdiagnostik entscheidend ergänzen und sogar ablösen.
Die Morphologie des Herzens ist damit in bislang unbekannter Qualität darstellbar: 1) Struktur des Herzmuskels und der Herzkranzgefäße; 2) Analyse der Pump- und Klappenfunktion; 3) Analyse von Durchblutungsparametern und Vitalfunktionen 4) Darstellung und Bewertung von entzündlichen oder tumorösen Prozessen.
Das sog. “Late Enhancement” markiert die Narbe im Herzmuskel nach einem Herzinfarkt, hier im Ventrikelseptum
Bauchraum
Die Untersuchung der Organe im Bauchraum ist eine etablierte und sichere Methode. Die MRT kann sowohl konkurrierend als auch ergänzend zur CT eingesetzt werden.
Oberbauchorgane:
Besondere Vorteile ergeben sich aus den verschiedenen Wichtungsmöglichkeiten der Bilder, die es gestatten, fokale Läsionen bzw. Tumoren z.B. der parenchymatösen Organe (Leber, Milz, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren) besser einzuordnen.
Als Besonderheit haben sich die nichtinvasiven Verfahren der Gangdarstellungen im Bauchraum etabliert, wie die MRCP (Darstellung der Gallenwege und des Pankreas-Ausführungsganges) oder die MR-Urografie (Darstellung des harnableitenden Systems der Nieren.
MRCP (Darstellung der Gallenwege und des Pankreasganges)
Magen und Darm:
Lange Zeit galt der Verdauungstrakt als wenig effektiv untersuchbar im MRT. Mit den schnelleren Geräten wurden die Bewegungsunschärfen durch die Darmperistaltik geringer, die “Anfärbung” des Darminhaltes mit Wasser, Methylzellulose oder Eisenoxidpartikeln gestattet eine Bildqualität , die der konventionellen Röntgendiagnostik mindestens gleichwertig ist, wobei die MRT darüber hinaus die zusätzlichen Informationen über die Umgebung de r Darmwand bietet.
Die inzwischen weiterentwickelten und sensitiven Sequenzen gestatten z.B. definitive Aussagen über Entzündungsherde am Dünn- oder Dickdarm. Dies erspart dem Patienten nicht selten die aufwendige Röntgenprozedur einer Untersuchung nach Sellink, die in der Regel recht langwierig ist und damit auch strahlenbelastend. Zudem kommt man ohne Einlage einer Dünndarmsonde aus (es muß kein “Schlauch geschluckt” werden).
Ein inzwischen etabliertes Verfahren ist die virtuelle Endoskopie oder Koloskopie, auf die wir an anderer Stelle speziell eingehen.
MRT-Bild mit Darstellng der entzündeten Dünndarmschlinge und des mitbeteiligten Darmgekröses
Bauchge fäße:
Die Untersuchung der Arterien der Nieren, des Darmes oder der großen Bauchorgane ist mit der kontrastmittelverstärkten MRT ein sicheres und exzellentes Verfahren. Die konventionelle diagnostische Katheterangiografie ist damit obsolet. Gefäßverengungen oder Verschlüsse werden genauso sicher erkannt, wie Anomalien oder sog. Shunts, d.h. Umgehungskreisläufe z.B. im Rahmen einer chronischen Lebererkrankung.
Unterbauch:
Die MRT ist eine hochsensitive Methode für die Darstellung der Unterbauchorgane. Im weiblichen Becken hat sie sich zur Darstellung und Differenzierung von Erkrankungen der Gebärmutter (Uterus) und der Eierstöcke (Ovarien) bewährt. Im männlichen Becken ist das Staging des Prostatakarzinoms eine inzwischen geläufige Methode.
Schnitt durch den Beckenboden beim Mann
Extremitäten und Gelenke:
Die Untersuchung des Gelenkbinnenraumes war in Zeiten vor der MRT immer nur invasiv möglich: konventionell radiografisch galt lange Zeit die Arthrografie als Goldstandard, später ergänzt durch die Arthro-CT. Es wurden ein Kontrastmittel und/oder Luft in den Gelenkraum gespritzt, um die Binnenstrukturen sichtbar zu machen. Der Nachteil der Invasivität (Schmerz, Infektionsgefahr, Allergien) wurde durch die relativ geringe Aussagekraft insbesondere über Knorpel und Bandveränderungen verstärkt. Daher galt noch bis in die 90er Jahre die diagnostische Arthroskopie als sicherstes Verfahren. Die MRT brauchte etwa 10 Jahre, um sich als die diagnostische Methode der Wahl durchzusetzen und gilt heute bei der Diagnostik traumatischer, degenerativer oder entzündlicher Gelenkveränderungen als unverzichtbar.
Moderne hochauflösende Scanner gestatten eine hohe Bildqualität und diagnostische Sicherheit bei allen Gelenken des Körpers.
Beispielhaft seien in der Folge einige Indikationen genannt:
Kiefergelenke: - Veränderungen oder Luxationen des Diskus (“Kieferklemme”) - akute oder chronische Entzündungen
Schultern: - Kapselschäden (Rotatorenmanschette) - Knorpel- und Glenoidveränderungen - Muskelrisse - Sehnenrisse (lange Bicepssehne) - Knochenbrüche
Ellenbogen: - Brüche und Luxationen - freie Gelenkkörper - Sehenausriise oder Tendinopathien (“Tennisellenbogen”)
Handgelenk und Hand - Brüche und Luxationen der kleinen Handknochen - Knorpel- und Diskusschäden - Sehnenrisse oder Tendinopathien (“Sehnenscheidenentzündung”) - Ganglien (“Überbein”) - Gelenkentzündungen, Arthritis, Rheuma
Hüftgelenk - Brüche und Luxationen - Arthrosen - Aseptische Nekrosen (Perthes) - akute oder chronische Entzündungen (Rheuma) - Schleimbeutelentzündungen - Tendinosen (Adduktorensyndrom etc.) - Stellungsanomalien (meist als Ganzbeindarstellung)
Knie - Meniskusschäden - Knorpelschäden - Arthrose und Arhitis - Bandschäden (Kreuz- und Seitenbänder) - Knochenbrüche - Schleimbeutelentzündungen, Zysten (“Baker-Zyste”) - Tendinopathien (Patellaspitzensyndrom, M. Osgood-Schlatter)
Sprunggelenk und Füße - Frakturen und Luxationen - Band- und Sehnenschäden (Achillessehne!) - Tendinopathien (Plantaraponeurose, aktivierter Fersensporn) - Rheuma und Gicht
Die MRT ist die Methode der Wahl zum Nachweis von Verletzungen am gesamten Stütz- und Bewegungsapparat
Wirbelsäule:
Der hohe Gewebekontrast und die mehrdimensionale Darstellung machen auch hier die MRT zur Methode der Wahl bei:
- degenerativen und akuten bzw. traumatischen Bandscheibenveränderungen - entzündlichen oder degenerativen Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke - Affektionen der Spinalnerven - Tumoren des Rückenmarks, der peripheren Nerven, Nervenscheiden oder des Bindegewebes - Knochentumoren oder Metastasen - Knochenverletzungen (Wirbeleinbrüche, Abrisse der kleinen Wirbelelemente) - Veränderungen der paravertebralen Weichteile (Muskeln, Gefäße, Nervenstränge [sympathischer Grenzstrang])
Knochen und Muskeln:
Die MRT ist hochsensitiv in der Diagnostik von Veränderungen des Knochenmarks und der Skelettmuskulatur. Die Sensitivität im Nachweis von Knochenprozessen, z.B. Metastasen eines bösartigen Tumors, ist höher als die der Knochenszintigrafie.
Typische Fragestellungen an die MRT sind:
- Muskelödem, Muskelentzündung (Myositis) - Kompartmentsyndrome, Tendinopathien und Sehnenverletzungen - Muskeltumoren
- Konversion oder Rekonversion des Knochenmarks (Anämie, nach Chemotherapie oder Bestrahlung, Leukämie, Infarkte, Myelom oder Metastasen) l- okalisierte Knochenveränderungen (Entzündungen, Tumoren, Ischämien, Verletzungen)
Periphere Gefäße:
Die Magnetresonanz-Angiografie hat in den letzten Jahren durch die immer schnelleren und hochauflösenden Sequenzen, die Möglichkeit der Tischverschiebung und Manipulation der daten mit speziellen Software-Tools einen enorm en Aufschwung erfahren und die diagnostische Katheter-Angiografie ersetzt.
An Kopf- und Hals wurde bereits die Möglichkeit der Darstellung hirnversorgender Gefäße genannt, dies gelingt häufig in ausreichender Qualität schon ohne Kontrastmittelgabe.
Ein wichtiges Feld sind daneben die Extremitätenarterien. Moderne Geräte ermöglichen hochauflösende Angiografien der Hände und Füße.
Die klassische Becken-Bein-Angiografie im Rahmen der arteriellen Verschlußkrankheit ist ein Highlight der MR-Angiografie, mit modernen Scannern sicher und unproblematisch.
Geräte mit Ganzkörperoption (wie z.B. auch unser Scanner) ermöglichen die Darstellung des gesamten Gefäßsystems des Menschen in einem Untersuchungsgang (naturgemäß mit Einschränkungen in der Endstrombahn).
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